Letzes Jahr um diese Zeit, hatte ich Besuch von einer Freundin und deren Tochter.
Die mittlerweile erwachsene Tochter dieser Freundin arbeitet in einer Behindertenwerkstätte. Sie ist von Geburt an schwerhörig und entwickelte zudem während der letzten Jahre schwere psychische Störungen, die leider nur durch Psychopharmaka unter Kontrolle gehalten werden können. Früher war sie ein extrem wacher, lebendiger, quirrliger und kreativer, außergewöhnlich sensibler Mensch. Heute ist sie ein mit Ängsten angefüllter, schwermütiger Mensch. Wenn es ihr nicht allzu schlecht geht, freut sie sich darüber, täglich in die Behindertenwerkstätte fahren und dort ihre Arbeitskraft einbringen zu dürfen. Das gibt ihr das Gefühl, Mitglied dieser Gesellschaft zu sein.
Mich depremiert diese Geschichte zutiefst. Vor kurzem noch hat sie mich ungeheuer wütend gemacht. Und das war auch die richtige Reaktion. Behindertenwerkstätten sind Werkstätten in denen Menschen gnadenlos ausgebeutet werden. Ich finde das dermaßen skandalös, vor allem weil sich so gut wie niemand darüber echauffiert. Im Gegenteil, der Skandal wird uns auch noch als "sozial" verkauft. Als Akt der "Nächstenliebe". Die Leistungen die in diesen Werkstätten von behinderten Menschen erbracht werden, stehen den Leistungen nicht behinderter Menschen in nichts nach! Und wohlgemerkt, es sind auch hier die Großkonzerne, die den großen Reibach machen. Menschenrechte?! Doch nich für Hindis! Und schlimmer noch, der Staat setzt nun noch alles dran,das Leben von Mutter und Tochter auf jede erdenkliche Weise durch bürokratische Fallstricke und Kürzungen zu zermürben. Wodurch die Ängste der Tochter täglich neu genährt werden.
Und statt dieses Unrecht ein für alle mal aus der Welt zu schaffen, drücken wir ab sofort allen Überflüssigen und dem Arbeitsmarkt "schwer vermittelbaren Untermenschen" den Behindertenstempel auf.
Ich kann gar nich soviele Weihnachtsknödel fressen wie ich kotzen könnte!
Geht mir genauso. Ich werde mich wohl nie so richtig an diesen gesellschaftlichen Drecksstall gewöhnen können. Andere hingegen, scheinen damit überhaupt kein Problem zu haben und machen übereifrig mit, hilfebedürftige Menschen wie Scheisse zu behandeln und mit dem Stempel 'aussortiert' zu kennzeichnen.
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