Mittwoch, 29. Februar 2012

Adorno und die Popmusik

Theodor W. Adorno, a german philosopher, speaks about popular music, Joan Baez and the idiotism of singing songs against war. Now with english annotations!


Ein paar Anmerkungen meinerseits: Offengestanden fand ich mich heute selbst ganz bei Herrn Adorno ein, als ich diese nachträglich unterlegte "Mercy Mercy" Musik* in dem hier ganz unten eingebundenen Protestvideo aus Malaysia hörte. Ich hab das video dennoch ausgewählt weil die Bilder sehr anschaulich sind. Und weil es eben genau das veranschaulicht, was Adorno kritisiert. Die Musikuntermalung in diesem Video untergräbt die dargestellte Protestaktion,nimmt ihr die Kraft und verkitscht sie.

Nur scheint es mir, dass der gute Herr Adorno auf diesem Gebiet zu keinerlei Differenzierungen in der Lage ist und die mobilisierende, revolutionäre Kraft der Musik, auch der Pop-und (punk)Rockmusik völlig unterschätzt. Dabei geht es darum, inwieweit die Musik die Seele berührt, aus der Seelenebene kommt, ob sie umwälzend oder inspirierend wirkt oder ob sie lediglich  Emotionen stimuliert und Kitschgefühle auslöst, welche sich dann auch wunderbar kommerzialisieren und zu Werbezwecken instrumentalisieren und kanalisieren lassen und eine wirklich transformatorische Richtung untergraben.

Wo das passiert, wird der Protest zum reinen Happening, auf welchem sich Protest T-Shirts, 99 Luftballons und Revoluzzer-Buttons genauso gut verkaufen lassen, wie Coca Cola und Popcorn.

Nun liegt es aber eben auf der Hand, dass wenn sich Menschen zu Massen zusammenschließen, sich verschiedene Ebenen miteinander vermischen. Aus diesem Grund erachte ich es ja auch als so enorm wichtig, die eigenen Worte wahrhaftig werden zu lassen und aus der Seelentiefe heraus auszusprechen. Und das gilt für Ernsthaftes ebenso wie für Albernheiten.

So oder so, eine ästhetisch-geistige Hygienevorschrift lässt sich keiner Bewegung aufoktuieren. Inwieweit eine Bewegung dann tatsächlich umwälzend wirkt, hängt sicherlich von der ausdauernden Ernsthaftigkeit Einzelner innerhalb der Masse ab, bzw. inwieweit sich diese Ernsthaftigkeit und (seelisch) geistige Tiefe und Wahrhaftigkeit dann auf die Masse auswirkt und sie zu druchdringen vemag.


*Nachtrag: Dieses "Mercy Mercy" Gedudel ist ja eigentlich etwas viel schlimmeres als Kitsch. Es ist die totale Belanglosigkeit,  alles wird durch und durch banalisiert,  "Fische sterben, das Wasser ist vegiftet,, die Vögel sind tot,  lalala, shubidub,  mercy mercy..." Eigentlich ja doch das perfekte Lied um die seelische Abgestumpftheit zu veranschaulichen, die eine durch und durch kommerzialisierte, sich selbst entfremdete und künstliche Welt uns zu bieten hat.


3 Kommentare:

  1. So oder so, eine ästhetisch-geistige Hygienevorschrift lässt sich keiner Bewegung aufoktuieren.
    Ui, - schwerer Satz. Aber absolut richtig. Doch, - bleiben wir fair, und sehen es in Verhältnissen, die sich an momentanen Zuständen orientieren, - ohne dabei selber in Pragmatismus zu verfallen. Die 68iger, waren gegen Pragmatismus, und Adorno hat erkannt, dass sie selber darin wieder verfallen würden. Aufgrund eines Gefallens am Amüsement. Man hat etwas kritisiert, ein Markt hat darauf reagiert, und das Endergebnis, sollte heute klar sein. Das ist es, was Adorno gesehen hat. Der Mann war Philosoph. Er hat die Grenzbereiche abgesteckt. Die Künstler haben ein Versuch gewagt, - und sind gescheitert. Dem sollten wir uns schon stellen. Adorno jetzt dagegen zu unterstellen, dass er etwas aufoktieren wollte, - finde ich ein wenig arg gewagt. Wir können nur in unserem Rahmen urteilen, und das hat oft auch damit zu tun, was uns selber gefällt. Das gilt es zu hinterfragen. Und letztendlich, sagst du das Gleiche;

    Inwieweit eine Bewegung dann tatsächlich umwälzend wirkt, hängt sicherlich von der ausdauernden Ernsthaftigkeit Einzelner innerhalb der Masse ab, bzw. inwieweit sich diese Ernsthaftigkeit und (seelisch) geistige Tiefe und Wahrhaftigkeit dann auf die Masse auswirkt und sie zu druchdringen vemag.

    Darum geht es, - und ging es auch Adorno.

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    1. Nein, ich will dem werten Herrn Adorno hier sicher nix unterstellen, auch würde ich nicht sagen, dass die Künsterler gescheiert sind. Die Geschichte schreibt sich doch weiter. Und die Musik lebt weiter, entwickelt sich weiter, rockt weiter, punkt weiter, dudelt weiter und GONGT weiter ;-)

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